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Informationen:

  • 5-15 Minuten
  • Allgemein

Stilistisch überraschende, experimentelle Version des "Barmherzigen Samariters" mit Blick auf die Pflegekräfte und den Plegenotstand in Deutschland.

Barmherzige Samariter, Pflege, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Überforderung, Nein sagen, Burnout, Danken, Helfen

Das Stück

Alle Spieler treten hintereinander aufgereiht auf die Bühne und positionieren sich im Halbkreis.

Sprecher 1: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

Alle (nachdenkliche Pose): "Wer ist mein Nächster?"

Sprecher 1: „Seht nun das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter.“

Sprecher 2: "Vor langer, langer Zeit..."

Sprecher 1: "...war ein Mann auf dem Weg nach Hause..."

Das Opfer tritt vor und geht auf der Stelle.

Sprecher 2: "...als er auf einen Hooligan traf."

Der Hooligan tritt vor und attackiert ihn.

Sprecher 1: "Er hatte gerade mit ansehen müssen, wie seine Mannschaft das letzte und wichtigste Spiel der Saison verloren hat."

Sprecher 2: "Deshalb schlug er ihn zusammen."

Sprecher 1: "Schließlich hatte sein Team ..."

Sprecher 2: "...den Pokal schon fast zum Greifen nah."

Sprecher 1: "Er nahm seine Brieftasche..."

Der Hooligan nimmt die Brieftasche und hält sie hoch.

Sprecher 2: "...er nahm seinen Hut..."

Der Hooligan nimmt den Hut.

Sprecher 1: "...und seine Digitaluhr nahm er natürlich auch."

Der Hooligan nimmt die Uhr.

Sprecher 1: "Er überließ ihm seinen Schicksal..."

Sprecher 2: "...und zog grölend seines Weges."

Sprecher 1: "Der Mann blieb liegen und stöhnte."

Das Opfer stöhnt laut auf.

Sprecher 2: "Plötzlich kam ein Reporter eines großen Fernsehsenders die Straße entlang."

Sprecher 1: "Der Reporter hielt an und betrachtete den Mann, der am Boden lag."

Sprecher 2: "Wow, was für ein Knüller!"

Sprecher 1: "Sagte er."

Sprecher 2: "Was für ein großartiges Bild würde das geben. Vielleicht ein bisschen mehr Blut und es würde sogar Schlagzeilen in den Abendnachrichten machen. Ich kann es schon vor mir sehen: 'Exklusiv-Nachricht: Fußball-Hooligans - die deutsche Bevölkerung ist entsetzt!' Hier spricht Ihr Axel Springel aus einer Seitengasse irgendwo in Deutschland. Ich muss das Bild bekommen."

Sprecher 1: "Und so eilte er davon, um einen Kameramann zu holen."

Der Reporter geht nicht in den Halbkreis zurück, sondern verlässt die Bühne, da er später noch einmal als Walter/Obdachloser zum Einsatz kommt.

Sprecher 2: "Der Mann am Boden stöhnte."

Das Opfer stöhnt.

Sprecher 1: "Hielt denn keiner an, um zu helfen?"

Sprecher 2: "Während des Abends kamen noch.."

Sprecher 1: "...ein Altenpfleger...“

Sprecher 2: "...eine Krankenschwester..."

Sprecher 1: "...und eine Krankenhausseelsorgerin vorbei."

Als Erster tritt der Altenpfleger aus dem Halbkreis heraus, geht am Opfer vorbei, stutzt, geht weiter, wird von Sprecher 2 gestoppt.

Sprecher 2 (zu Sprecher 1): „Hey Kollege, Stop mal! Stop! Es steht zwar nicht so im Drehbuch, aber ich muss jetzt raus hier aus meiner Rolle! Das geht doch so nicht! (dem Altenpfleger zugewandt) Entschuldigen Sie, bitte! Auch Sie laufen hier an dem armen Mann vorbei? Der Zeitungsfuzzie, ok, aber Sie? Wenigsten Sie hätten doch helfen müssen, schon von Berufswegen, oder? Treten Sie doch ruhig näher. Das muss ich jetzt einfach von Ihnen selbst wissen.“

Altenpfleger: „Was wollen Sie denn von mir? Was wissen Sie von Altenpflege? Können Sie sich vorstellen, in was für einem Spannungsfeld ich täglich stecke? Ja, ich bin Altenpfleger und ich liebe meinen Beruf von ganzen Herzen, zumindest, wenn ich ihn so ausführen könnte, wie ich es wollte. Können Sie sich vorstellen, wie das ist, wenn man täglich das Gefühl hat, nicht zu genügen? Wie das ist, wenn man anderen Menschen eben nicht einfach als Mensch begegnen kann, einfach weil zu oft die Zeit dafür zu knapp ist? Was meinen Sie, wie ich mich fühle, wenn die Pflegedokumentation oftmals wieder wichtiger ist als die eigentliche Pflege selbst? Können Sie sich das vorstellen? Mmmh?"

Sprecher 2: "Naja, so gesehen."

Altenpfleger: "Gerade heute Nacht ist eine liebe, alte Dame verstorben und gestern bat sie mich noch, das Familienalbum mit Ihr anzuschauen. Nur ein paar Bilder, das einzige was sie noch hatte. Ich konnte es nicht, weil ich zu eingespannt war. Haben Sie eine Ahnung, wie es mir zur Zeit geht? Gut, so arg ist es nicht immer, aber diese Kluft zwischen helfen wollen und nicht können reibt mich einfach auf! Es bleibt keine Kraft mehr, nicht heute, nicht für diesen Menschen. Es muss einfach ein anderer kommen. Solange muss er aushalten, so schrecklich es auch klingt. Ich muss jetzt nach Hause. Ich bin von innen so leer und könnte einfach heulen.“

Sprecher 2: „Oh, ja, das tut mir leid für Sie. Ich... ich verstehe... ein wenig."

Der Altenpfleger geht in den Kreis, darauf startet die Krankenschwester, läuft ebenfalls an dem Opfer vorbei, guckt, hält an, geht weiter.

Sprecher 2 (der Krankenschwester zugewandt): „Aber Sie als Krankenschwester haben doch das Herz auf dem rechten Fleck. Sie helfen doch tagaus tagein. Warum denn gerade hier nicht?“

Krankenschwester: „Genau darum! Sie sagen es selbst! Ich helfe tagein tagaus, das heißt, wenn Sie es genau wissen wollen, helfe ich zur Zeit mehr in der Nacht. Wissen Sie, was es heißt Nachtdienst am Block zu haben. Fünf Nächte mal 8 Stunden und länger, allein auf einer Station zu sein und für ca. 35 Personen die volle Verantwortung zu haben?"

Sprecher 2: "Ja, aber die schlafen doch alle."

Krankenschwester (leicht säuerlich): "Oh, ich lade Sie herzlich gern mal zu einer Schicht auf meiner Station ein. Ständig in 'Hab acht-Haltung' zu sein, unentwegt die Alarmglocken der Patienten um die Ohren, kaum ist die eine abgearbeitet läutet schon oft die nächste. Dazu Toilettengänge der mobileren Patienten, Erbrochenes wegwischen und wenn es gut läuft, kriege ich noch einen Notfallpatienten als Neuaufnahme dazu. Dann die Übergabe am Morgen vorbereiten und ein bis zwei verwirrte Flurwandler wieder ins Bett bringen. Wissen Sie, es gibt Nächte, da bin ich froh, wenn ich mir überhaupt einen Kaffee und ein Brot gönnen kann.
(Pause, guckt ihn lange an) Ich bin jetzt sehr müde, einfach müde, verstehen Sie das? Es tut mir in der Seele weh, dass ich ihn liegengelassen habe. Aber jetzt bin ich mal dran! Wer kümmert sich denn um mich? Ich muss doch auch mal „Nein“ sagen dürfen, oder? Mein Weg geht jetzt direkt in die Badewanne und dann ins Bett. Wiedersehen!"

Sprecher 2 (stumm nickend): "Mmhh! Ja, Wiedersehen Danke und Gute Nacht!"

Die Krankenschwerster geht in den Halbkreis. Die Krankenhausseelsorgerin kommt und geht auf Ihrer Tour am Opfer vorbei.

Sprecher 2 (Krankenhausseelsorgerin zugewand): „Tja, bleiben nur noch Sie übrig. Ich trau mich schon gar nicht mehr zu fragen. Hätten Sie nicht als Krankenhausseelsorgerin, ich meine, wären Sie nicht allein schon von Ihrem Glauben dazu verpflichtet gewesen zu helfen, oder auch nicht?"

Krankenhausseelsorgerin: „Nur weil ich als Pastorin drüben im Krankenhaus arbeite, heißt das doch nicht, dass ich ein Übermensch bin. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich habe auch nur begrenzte Ressourcen an Kraft, Zeit und Nerven. Aber Sie haben Recht, vielleicht habe ich hier gefehlt und bin an diesem Mann schuldig geworden. (Pause) genau wie die (deutet auf die zwei anderen aus den helfenden Berufen)."

Krankenhausseelsorgerin: "Und übrigens auch wie Sie." (deutet mit ausgestrecktem Finger auf Sprecher 1 und 2:) "Offensichtlich können Sie doch auch aus Ihren Rolle heraus und genauso helfen. Aber nur, weil wir hier an unsere Grenzen kommen, fallen wir doch nicht gleich aus der Gnade Gottes. Ich finde, es zeigt viel mehr, wie sehr wir ihn brauchen, wir, als seine geliebten Kinder."

Sprecher 2: „Tja, äh, wenn Sie das so sehen. Vielen Dank erstmal."

Die Krankenhausseelsorgerin geht in den Halbkreis, hört gespannt zu.

Sprecher 2: „Tja, nun, das war alles... nun... sehr aufschlussreich, alles.“

Sprecher 1 (etwas angenervt): „Was denn nun? Kriegen wir die Geschichte jetzt noch zu Ende, oder was? Könntest Du vielleicht jetzt bitte auf Deinen Platz und in Deine Rolle gehen? Wir waren an der Stelle 'Aber niemand half ihm, als...' und jetzt geht es weiter: Aber niemand half ihm, als Walter die Straße entlang kam".

Alle (angeekelt): "Ihhh, Walter!“

Sprecher 2: „Walter war ein stadtbekannter Obdachloser, der mit seinem Plünnenwagen durch die Gegend zog."

Walter fährt mit einem angemüllten Karren von der Seite vor die Bühne und fährt bis zum Opfer, sieht das Opfer, und hält an. Alle klatschen und rufen. Walter bringt sie mit einer Handbewegung zum Schweigen.

Sprecher 1: "Ja, es war niemand anderes als Walter, der dem Mann seine Wunden mit etwas Schnaps desinfizierte, ihm einen Schluck aus seiner Bierdose anbot und ihn auf seinen Plünnenwagen legte.“

Das Opfer setzt sich auf den Rollwagen und wird von der Bühne geschoben.

Sprecher 1: „Danach brachte er ihn zum nächsten Krankenhaus.“

ENDE.

Anmerkungen des Autors

Das Stück wurde in St. Marien/Landeskirche in Osnabrück am 03.10.2010 aufgeführt. Anlass war der von der Diakonie organisierte Gottesdienst - "Pflege - Wir danken!". Neben wunderbar verzahnter Predigt und Theater gab es diverse Elemente im Gottesdienst (auch interaktive mit Salbung und Segnung). Das Stück diente vor allem als Opener für die Predigt, um den Besuchern das Gefühl von "wir sehen Euch in Eurem Berufsalltag" zu vermitteln. Darüber hinaus bot es Ansatzpunkte für eine den Pflegenden zugewandte Predigt, aber auch kritische Ansatzpunkte in Sachen Pflegestandort Deutschland.

Spieler:
-Sprecher 1 (ähnlich zu Spr. 2)
-Sprecher 2 (ähnlich zu Spr. 1)
-Opfer (mit Hut, Uhr, Brieftasche)
-1- 2 Hooligans (Fanklamotten)
-Reporter (langer Mantel)
-Altenpfleger (weiße Hose, Jacke u. weißes Oberteil darunter)
- Krankenschwester (weiße Hose, Jacke und weißes Oberteil darunter)
-Krankenhausseelsorgerin (ggf.alternativ, buntes Tuch)
-Walter der Obdachlose (abgerissene Erscheinung, Herbst, Bollerwagen oder geliehenen Getränkewagen von Getränkeverleih, Aldi-Tüten mit Bierdose, Schnapsflasche, Plastiktüten mit Leergut)

Alle Mitspieler stehen, dem Publikum zugewandt, im Halbkreis. Die Sprecher 1 und 2 stehen dabei außen. Das Opfer steht möglichst mittig. Bei „Alle“ sprechen alle, die im Halbkreis sind, nicht aber die spielenden Charaktere.

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