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Der Gast in der Heiligen Nacht

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Informationen:

  • 15-30 Minuten
  • Weihnachten, Allgemein

Brüggmann feiert Heiligabend. Er ist allein zu Hause. Dennoch deckt er den festlichen Tisch für eine weitere Person. Er beginnt mit ihr zu reden, als würde tatsächlich jemand gegenüber sitzen. Dieser "Gast" hilft ihm, seine Verzweiflung in Worte zu fassen.

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Das Stück

Brüggmann kommt festlich gekleidet aus dem Off. Er hat einen Teller sowie Messer und Gabel in der Hand. Brüggmann stellt das zweite Gedeck auf den Tisch. Man erwartet somit, dass eine zweite Person am Tisch Platz nimmt. Brüggmann setzt sich und richtet seinen Blick auf sein vermeintliches Gegenüber, das auf dem anderen Stuhl sitzt.

Brüggmann (zittrige, traurige Stimme): "Bist Du da? (Pause) Ich freue mich auf jeden Fall, wenn Du da bist. Wirklich. (Pause) Es ist gut, wenn Du da bist. Danke. Fühl Dich wohl hier."

Brüggmann steht auf und geht zum Schreibtischschrank, öffnet eine Schublade und holt das Feuerzeug heraus. Er bewegt sich wieder zum Tisch.

Brüggmann: "Weißt Du, die vier Kerzen … das ging immer so, an jedem Heiligabend (lächelt etwas gequält) … für Malena (er zündet zu Beginn dieses Rituals die erste Kerze des Adventskranzes an und redet erst danach weiter:), Julia (die zweite Kerze wird entzündet), Mama (die dritte, er wird danach langsamer und stockt:) und … für … Papa … (er zündet die vierte Kerze an)."

Brüggmann setzt sich und sieht 5 Sekunden in das Kerzenlicht.

Brüggmann: "Ich hab' mit Julia, das ist meine Jüngste, zuletzt vor einem halben Jahr geredet. Hab' ihr zum Geburtstag gratuliert. Na ja, sie hat nicht viel Zeit gehabt."

Wieder vergehen 5 Sekunden. Er blickt nach unten und kämpft mit den Tränen. Dann fängt er sich wieder.

Brüggmann: "Malena ist irgendwo in den USA, sie studiert wohl irgendwas. Ich weiß es nicht, ich hab' sie schon … (längere Pause) … länger nicht mehr gesehen. Und sie wollte nie so richtig gern … ans Telefon gehen. Sie telefoniert nicht gern … (betroffen:) nicht gern … mit … mir."

Er spricht weiterhin höflich und zuvorkommend zum vermeintlichen Gegenüber.

Brüggmann: "Findest Du das gut so, mit den Kerzen? Eigentlich geht es ja um was anderes … aber bisschen stimmungsvoll ist gut, oder?"

Brüggmann schenkt sich ein Glas Wasser ein.

Brüggmann: "Ich glaube, es sind jetzt 7 Jahre. Da haben wir die Kerzen zuletzt in dieser Reihenfolge angezündet. Es war ein bisschen schwierig damals … ich war ja noch in der Chefetage bis 20 Uhr. Der Jahresabschluss hat schon gedrückt … ja, was sollte ich machen … gut, die drei zu Hause waren schon ziemlich … (längere Pause, er kämpft mit sich) aufgebracht und … traurig. Aber was sollte ich machen? Wenn der Chef ruft, muss ich auch Heiligabend ran, war ja schon immer so … (längere Pause) … war jedes Jahr so … jeden Heiligabend … und … auch sonst. (Längere Pause) War ein bisschen zu oft so, weißt Du."

Brüggmann steht auf, läuft mit dem Glas Wasser in der Hand etwas herum und redet dabei.

Brüggmann: "Und dann das andere …. (Pause) … Ich hab es nicht absichtlich gemacht, weißt Du … Und ich liebe sie alle drei … ich liebe sie immer noch. (Zittert, fängt etwas zu schluchzen an, fängt sich dann wieder.) Ich mein, Du warst ja immer dabei, Du kennst ja diese Kollegin. Ich war ja nicht der erste und einzige … aber wenn Du so einen stressigen Tag hast … dann … ich fand es nur total fies, dass sie es meiner Frau ins Gesicht gesagt hat. Weißt Du, ich wollte das eigentlich nicht … ich … es war auch nur zwei Mal … oder so. Es ist einfach passiert! Mir tut das ja auch so leid, aber wenn Du so im Stress bist … dann brauchst Du ein Ventil. Nein, es war einfach … (lange Pause) nicht gut von mir. Es war … sehr … schlecht. Ich … (Pause) … Weißt Du, meine Frau hat so viel geweint … sie … na ja … es war … für sie, aber auch für … mich … ziemlich schwer … sie hat das wohl nie …
Entschuldige, ich langweile Dich sicher (wischt sich durchs Gesicht und zwingt sich zu einer vorsichtigen, heiteren Mimik:) eigentlich wollten … wir … ja Weihnachten feiern."

Brüggmann setzt sich, dann bringt er die Sequenz mit seiner Familie zu Ende.

Brüggmann: "Sie haben mich alle angeschrien. Alle drei. Lange, ganz lange. Dann … musste ich gehen. Ausziehen. Das war … verständlich. Sie hatten ja recht damit."

Pause.

Brüggmann: "Äh, möchtest Du die Weihnachtsgeschichte hören? Wir haben sie damals immer gelesen! Ich … hole sie."

Brüggmann geht zum Schrank, zieht aus einer Schublade die Bibel hervor und setzt sich wieder zu seinem Gegenüber.

Brüggmann: "Tja, wenn ich jetzt wüsste, wo sie steht. (Er blättert sehr geschäftig und interessiert) … aber im Grunde … kennst Du sie ja. Ist ja eigentlich Unsinn. (Lächelt vorsichtig)"

Brüggmann steht auf und läuft etwas umher, dabei hat er die Bibel in der Hand, die er teils verkrampft umklammert.

Brüggmann: "Im ersten Jahr danach war ich bei meiner Mutter. Es war ein sehr schönes Weihnachtsfest. Sie hat alles für mich getan … alles. Wir hatten uns zwar nicht so viel zu sagen … aber trotzdem … war … schön … irgendwie … war es schön … sie hat mir gut getan … gut getan … doch, das hat sie."

Brüggmann sieht durchs Fenster, er deutet mit dem Finger.

Brüggmann (urplötzlich ziemlich begeistert): "Schau, hier, die Nachbarn, das Fenster, sie sind gut zu sehen. Die Kinder hüpfen im Wohnzimmer rum! Ich glaub, ich seh das Leuchten ihrer Augen! Siehst Du es auch? Schau doch! (Er deutet noch stärker.) Die machen Bescherung! Das war immer der Höhepunkt. Meine Kinder … sie haben sich immer so gefreut (stockt, wird langsamer, es vergehen Sekunden) … früher …. ich meine … ganz am … Anfang. Als ich noch … (stockt, spricht nicht zu Ende)."

Brüggmann wird ruhig, geht ein paar Meter und spricht traurig.

Brüggmann: "Ein Jahr später war meine Mutter tot. Es ging alles sehr schnell. Das tat mir sehr leid."

Brüggmann setzt sich wieder seinem vermeintlichen Gast gegenüber.

Brüggmann: "Da fällt mir ein … Entschuldige, dass ich mit Dir nicht in den Heiligabendgottesdienst gegangen bin. Das hätten wir eigentlich tun können. Ich hab … es vergessen … ich … bin es nicht so … gewöhnt, weißt Du … tut mir leid. Aber im Grunde weißt Du ja, wie das so läuft dort, oder? Und ich kann mir das ganz gut vorstellen, … ist sicher sehr schön. Sehr stimmungsvoll, die vielen Kinder, die sich freuen und die vielen Lichter und so. Sehr schön, doch, ist sehr schön."

Pause. Er trinkt einen Schluck.

Brüggmann: "Die nächsten drei Jahre konnte ich bei meiner Schwester feiern. Das war gut … das war wirklich gut, es war …ist … eine lebhafte, sonnige Familie … die haben sich so gefreut über …(Pause!) Weihnachten … das war echt schön … ich hab mich dort … ganz gut gefühlt. Sie waren ziemlich nett zu mir, auch wenn wir uns nicht so ganz viel zu sagen hatten. Das war früher schon so. Wir hatten uns nie viel zu sagen. Aber … es war dort … na ja… es war … gut."

Wieder ist Brüggmann urplötzlich begeistert.

Brüggmann: "Schau, das ist wie im Märchen. Jetzt schneit es total! (Er deutet nach außen.) So muss Weihnachten sein! Toll, oder?"

Brüggmann steht mit dem Glas Wasser auf, geht zu diesem Fenster und sieht dem „Schneetreiben“ zu. Dabei wird er wieder sehr ruhig und spricht introvertiert weiter.

Brüggmann: "Dann ist meine Schwester nach Italien gezogen, mit ihrer Familie. Wir haben uns etwas aus den Augen verloren seitdem. Ich weiß im Moment nicht … ihre Adresse … und Telefonnummer. Ich hab vergessen zu fragen … glaub ich. Sie hat leider bis jetzt nicht angerufen. Leider."

Brüggmann trinkt einen Schluck. Er blickt Richtung Publikum.

Brüggmann: "Letztes Jahr war ich bei einem Arbeitskollegen, Freunde … hab ich leider sonst eher … nicht so … hab ich … keine sonst. Aber seine Frau kam nicht so mit mir klar. Ich war wohl ein bisschen … im Weg. Die wollte lieber mit ihm alleine feiern. Das ist ja auch verständlich. Ich rede ja auch immer so viel, das merkst Du ja grad. Und Heiligabend verbringt man mit seinen Liebsten, nicht wahr? Das war immer so. Und ist gut so. Ist verständlich."

Brüggmann setzt sich wieder.

Brüggmann: "Fällt mir schwer, was ich jetzt sagen will … ist bisschen … wie sagt man … emotional. Passt nicht so zu mir … Aber … ich … ich wollte Dir Danke sagen … dass Du Weihnachten mit mir verbringst. Ich weiß auch nicht, klingt blöd … echt, ist schwer für mich grad … solche Worte … (er strengt sich an) … aber … ist schön, wenn man sich … geliebt weiß, (längere Pause) besonders von dem, der nicht nur die ganze Welt (längere Pause), sondern auch meinen ganzen Scherbenhaufen (längere Pause) in der Hand hält."

Brüggmann holt Luft, nickt, ist peinlich berührt.

Brüggmann: "Weißt Du, Du kennst mich ja ziemlich gut und ich frag mich, wieso Du nicht auch gehst?"

Brüggmann steht wieder auf, läuft umher. Er bleibt sehr freundlich.

Brüggmann: "Wieso Du nicht auch sagst, dass Du den nächsten Heiligabend ohne mich verbringen willst. (Pause.) Wie alle anderen, sie haben es … alle … so gesagt."

Brüggmann (freundlich fragend): "Warum feierst Du nicht auch mit anderen, die mehr vorzuweisen haben, die besser sind, wo das Leben besser verlaufen ist …. wo Du das Leuchten von glücklichen Kinderaugen siehst. Bei mir siehst Du nichts Gutes."

Brüggmann bleibt still stehen und sieht zum Stuhl.

Brüggmann: "Wieso bist Du zu mir gekommen? Wieso sitzt Du hier und ich hab sogar den Eindruck, als würdest Du nicht mehr gehen wollen. Nein, versteh nicht falsch! Du kannst gern bleiben."

Brüggmann wird weinerlich, längere Pause.

Brüggmann: "Eigentlich wollte ich das gar nicht fragen. Entschuldige. Bitte … bleib. Ich bin so froh, wenn Du bleibst."

Brüggmann läuft ein paar Meter, bleibt dann wieder stehen.

Brüggmann: "Bitte … auch gern für immer. Ich hab ja … (Pause) ich hab hier gut Platz für Dich."

Er setzt sich wieder.

Brüggmann: "Aber es ist ja Weihnachten … und … ich möchte Dir was schenken … es ist Zeit für die Bescherung (er lächelt vorsichtig) und … umgekehrt … im Falle, dass Du mich nach meinem Geschenkwunsch fragst … dann … weißt Du ihn schon: (es vergeht Zeit, er beginnt plötzlich zu weinen:) Bleib hier, in meinem Leben. In diesem Leben. Nein, es muss nicht besser und toller werden. Das alles ist nicht so wichtig. Nicht mehr. Nicht mehr wichtig. Ich will nur (längere Pause) dass Du hier bist. Also, und nun … wenn ich Dir was schenken darf? Das hat mit Deinem Geschenk zu tun. Tja … Dann hier (er zieht aus der Schublade das Kuvert und legt es zum Teller des Gegenübers). Ja, ist mein letzter Lebenslauf … aber nicht nur der berufliche … ist alles … ist alles andere auch drin. Alles, was niemand lesen sollte. (Lächelt ganz vorsichtig:) … oh bitte, ja, das darf wirklich niemand sonst lesen."

Brüggmann steht wieder auf und läuft noch ein paar Meter, bleibt aber plötzlich stehen und spricht erst dann.

Brüggmann: "Du sollst es aber lesen. Ich hab nichts zu bieten, wie Du siehst. Aber ich bitte Dich … nimm es als Geschenk … (Pause) ob ich Dir das wirklich schenken darf? Dieses Leben? Ich würde mich auf jeden Fall freuen … (Pause), ich freue mich einfach."

Längere Pause, er läuft zurück, strahlt vorsichtig, steht nun an seinem Stuhl und sieht dem Gegenüber ins „Gesicht“.

Brüggmann: "Ich glaub, ich versteh die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland, sagen wir … jetzt … verstehe ich sie … ich wäre auch gekommen. In den Stall, aus dem das Licht leuchtet, das mir zum ersten Mal Liebe bringt, die mir keiner mehr nehmen kann."

Brüggmann setzt sich und beginnt vermehrt und deutlich zu strahlen.

Brüggmann: "Das ist Weihnachten, oder? Endlich wieder … ich spüre es (Pause) Also im wahrsten Sinn ein … frohes Fest. (Längere Pause, er wird ernst und nickt einmal kurz:) weil Du zu mir gekommen bist."

Brüggmann strahlt erneut.

ENDE.

Anmerkungen des Autors

Hinweis: Brüggmann (ca. 38 – 55 Jahre alt) wird hier männlich dargestellt. Die Rolle kann jedoch auch weiblich besetzt werden. Die Dialoge (Inhalte) müssten in dem Fall dementsprechend angepasst werden. Empfehlung: Das Stück mit männlichem Darsteller zu spielen, Klischees werden so besser erfüllt.

Pausen sind sehr wichtig. Diese Redepausen sind als solche beschrieben, sehr kurze Pausen werden jedoch durch „…“ dargestellt. Sie bedeuten Unsicherheit und Stocken beim Reden.

Vorbereitungen:
Ein Tisch mit weißer Tischdecke steht in der Mitte. Direkt daneben befinden sich zwei Stühle – diese sind so ausgerichtet, dass sie gleichmäßig Richtung Publikum (einer eher nach links, der andere eher nach rechts) stehen. Somit steht der Tisch schräg bzw. diagonal. Auf dem Tisch befinden sich ein Gedeck und zwei Gläser, sowie eine kleine Wasserflasche. Ferner ein Adventskranz, die neuen Kerzen brennen nicht. Ein kleiner, einfacher Schreibtischschrank o.ä. steht unweit vom Tisch. Er hat leicht zu öffnende Schubladen. Darin befinden sich weitere Utensilien, die man zunächst nicht sieht: Feuerzeug, Bibel, ein mit Geschenkpapier verpackter Umschlag.

Dieses ernste Solo-Stück eignet sich vermutlich nicht für einen typischen Heiligabend-Familiengottesdienst, eher für Spät- oder Nacht-Gottesdienste oder für sonstige, spezielle weihnachtliche/adventliche Anlässe.

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