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Das Weihnachtsmärchen

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Informationen:

  • 5-15 Minuten
  • Weihnachten, Puppenstücke, Pantomime

Die Weihnachtsgeschichte als unterhaltsame Persiflage auf die Gebrüder Grimm und viele weitere Dichter und Denker. Frech, provokant und zum Nachdenken anregend.

Das Weihnachtsmärchen, Krippenspiel, Märchen, Comedy, Grimm, Weihnachtsgeschichte, Jesus, Maria, Joseph, Hirten, Könige, Weise, Fee

Das Stück

Es war einmal ein junges Paar. Sie war hochschwanger, wie sonderbar. Man rief sie Maria, Joseph nannte sie ihn. Sie zogen schon lange des Weges dahin. Bethlehem hieß das verlegene Ziel. Doch war’s für Maria kein leichtes Spiel. Trotz aller Bedenken mussten sie fort. Fern ihrer Heimat an jenen Ort, Wo Joseph einst geboren war. Welch Schicksal ereilte das armsel’ge Paar.

Denn es begab sich zu der Zeit,  Als jene Hoheit Ein Gebot erließ, Dass G’sell und Spieß,  Edler und Flegel, Zwerg und Ries,  Kind und Kegel Geschätzt werden sollte.  So war es die Pflicht, Zu gehen, ob man wollte Oder ob nicht.

So eilten sie spät durch Nacht und Wind Sie auf dem Esel, im Bauche das Kind. »Mein Joseph, was verbirgst du so bang dein Gesicht? Kennst du den Weg nach Bethlehem nicht?« »Doch Maria, halte noch ein. Gleich hinter dem Wald dort müsste es sein!«

Maria und Josef verirrten sich im Wald. Es war so finster und auch so bitterkalt. Sie kamen an ein Häuschen, ein Gasthaus nach dem Schein, Mag wohl noch Raum in der Landherberge sein?

Joseph riss sich zusamm’ und ging mutig vor, Klopfte entschlossen ans hölzerne Tor.

»Knusper Knusper Knäuschen, Wer klopft da an mein Häuschen?« – »Der Wind, der Wind,  Maria und Joseph und das himmlische Kind!«

– »Wir machen nicht auf, du bist uns’re Mutter nicht, Denn ihre Stimm ist fein, wenn sie zu uns spricht! Deine Stimm’ ist rauh, also sei still! Du bist sicher der Wolf, der uns fressen will!«

Maria und Joseph, waren entsetzt, Nach all den Strapazen sichtlich verletzt. War das nach der Reise der Mühe Lohn,  Statt Ruhe und Speise nur Spott und Hohn?

Doch eh sie’s versah’n, knarrte das Tor. Ein sehr alter Mann schaute hervor. »Entschuld’gen Sie vielmals, werte Leute, Sie sind nicht die ersten, die hier anklopfen heute. Ich muss jeden enttäuschen, der Herberge sucht, All uns’re Zimmer sind ausgebucht. Sie brauchen auch gar nicht die andern erst fragen, Die Stadt ist belegt in diesen Tagen. Doch halt, wie ich sehe, Sie erwarten ein Kind. Dort drüben im Stall finden Sie Schutz vor dem Wind!«

Er brachte die beiden samt ihrem Tier, Zum dortigen Stalle, worin sich ein Stier, Ein Schaf und ein Esel schon breit gemacht, Na, Halleluja, welch spaßige Nacht!

Joseph sah seinen Esel und schickte ihn fort, Es war schon genug Vieh an diesem Ort. Der fand einen Hund, ne Katz und nen Hahn, Und setzte zur Reise nach Bremen an.

Derweil in dem Stall hatte in dieser Nacht Maria ihr Baby zur Welt gebracht. Ein Knabe – so edel, wie nie auf Erden, Er sollte mal Herrscher des Landes werden! Sie nannten ihn Jesus, wie’s Herrschern gebührt, Ein Name der Arme dem Elend entführt. Noch mancher Wunsch ging von ihren Lippen. Sie legten ihn in eine der Futterkrippen. Mit großer Hoffnung schliefen sie ein, Obwohl dieser Rahmen ein and’rer könnt sein.

Zur selben Stund an anderer Stell, Wurd’s auf dem Felde schlagartig hell, Ein Häufchen Hirten samt Ziege und Schaf, Riss eine Fee unsanft aus dem Schlaf.

»Fürchtet euch nicht!« ertönte die Fee »Friede euch Menschen, Ehr’ Gott in der Höh’! Euch ist heute der Heiland gebor’n, Von einer Jungfrau auserkorn!« Sie schickte die Hirten zu jenem Stall, Und machte nen Abgang mit lautem Knall.

Nun denn die Hirten erholt von dem Schock, Nahmen sich Mut und den Hirtenstock Und gingen gemeinsam mit sieben Ziegen Zum Stalle um auch mal das Baby zu wiegen. Allen voran der treudoofe Rolf,  der kannte den Weg nicht und lief sich nen Wolf.

»Rukedidu, Blut ist im Schuh! Das hat man davon, wenn man so dumm läuft wie du!«

Nach langen und scheinbar unendlichen Pfaden Und mächtigen Krämpfen in ihren Waden, Pochten sie behende ans Scheunentor, Als Joseph darinnen schreckte empor.

»Wer ist da? Wer klopft da? Könnt ihr nicht leis’ sein?« – »Ich bin’s, der Rolf und die sieben Geislein!« – »Du Scherzbold, verschwinde! Sonst mach ich dich kalt! Denn bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!«

»Ach Joseph«, hakte Maria ein,  »Bewahre die Ruhe und lass sie doch rein! Bei all dem Geschrei kann doch ich eh nicht schlafen, Was kümmern da Hirten mit Ziegen und Schafen?«

Sie öffnete Rolf und Konsorten die Tür, Die traten herein und bedankten sich für Das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht Und freuten sich über das Glück dieser Nacht.

Sie saßen und standen andächtig beim Kind, Das auf dem Futter von Esel und Rind, Da lag und schlief wie neu geboren Und bemerkten dabei dessen riesigen Ohren.  »Maria, was soll das bedeuten, sagt an!« – »Na, damit er euch besser hören kann!«

Rolf, der gute Hirte mit Ruthe, War recht ungeschickt. Hatte so tolle, Ganz ungeniert, Aus roter Wolle, Dass es nicht friert, Dem Christkind ein Käppchen gestrickt.

Maria war davon wenig begeistert, Hätte die Strickkunst selbst besser gemeistert. Verlor sie doch beinah die Fassung und kochte, Als es erneut an das Scheunentor pochte.

Sie rief, hier werde niemand vermisst! »Sei’s drum, herein, wenn’s kein Schneider ist!«

Das Tor ging auf und da standen verhalten, Drei edle, exotische Lichtgestalten.

»Grüß Gott, liebe Leut’, wir kommen von fern, Wir sind Kaspar, Melchior und Baltasar. Wir folgten ganz frech einem seltsamen Stern. Den man schon hinter dem Wald da sah. Wir hörten bereits von der fröhlichen Kunde, Das Königskind ist längst schon in aller Munde! Der böse König sieht sich in Nöten, Gab uns den Auftrag, wir sollten es töten. Die Order sorgte für Schmerz und Weh. Wir brachten stattdessen das Herz von dem Reh, Das uns plötzlich über die Straße lief. Melchior war es, der dabei schlief. Das Reh wollte doch nur die Straße rüber, Doch Melchis Kamel trampelte einfach drüber.«

Man hörte den Dreien andächtig zu: Vom bösen König, der sie nun ließ in Ruh. Vom Stern, der sie führte an diesen Ort Zu finden das Kindlein, so fuhren sie fort …

»Und nun, liebes Kindlein, gib fein acht, Wir haben dir etwas mitgebracht:

Gold für den baldigen König, Zum Reichtum für die Armen! Weihrauch und Myrrhe ein wenig, Denn hier drin mieft’s, Gott hab erbarmen!«

Maria und Joseph waren nun reich und zufrieden.  Auch Rolf und Konsorten mussten nie wieder hüten. 

Jesus wuchs heran als ein mächtiger Prinz, Dann folgte die Krönung in der Römer-Provinz.  Er vertrieb die Lateiner aus seinem Reich Und auch der böse König unterlag seinem Streich.  Am Tage der Krönung beim königlichen Feste Bekam er glühende Pantoffeln zur Belustigung der Gäste. Er musste drin tanzen bis zum bitteren Ende. Das Schicksal des Landes nahm so seine Wende.

Lange herrschte Jesus über Land und Leute Und wenn er nicht gestorben ist, lebt er noch heute.

LICHT AUS.

Anmerkungen des Autors

Bei diesem Stück gibt es einen Sprecher, der als Märchenerzähler am Bühnenrand die gesamte Geschichte liest. Alle anderen Schauspieler spielen das Erzählte.

Dabei kann die Zahl der Mitwirkenden variieren. Es können also durchaus mehr als 6 Personen mitwirken. Auch werden für dieses Stück keine Headsets benötigt.

Aufgrund des provokanten Endes bedarfs es einer guten Zusammenarbeit mit dem Prediger, der das Stück hinterher auslegt.

Das Stück wurde am 4. Advent 2010 uraufgeführt in der Baptistenkirche Berlin-Wedding.

Ein Video als Inszenierungsvorschlag gibt es unter:
http://www.youtube.com/watch?v=ag__VA8s9iU

Alle Videos unter:
http://www.baptisten-wedding.de/theaterteam/multimedia/

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