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Die Versammlung der wahrhaftig im Blut gewaschenen Gläubigen

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Informationen:

  • 5-15 Minuten
  • Jugend, Allgemein

Ein Hauskreis, der aus sehr unterschiedlichen Personen besteht, bekommt Besuch von einem Gast. Der Nichtchrist ist bald überfordert von der christlichen "Nächstenliebe"...

Die Versammlung der wahrhaftig im Blut gewaschenen Gläubigen, Hauskreis, Fromm, Heuchelei, Christsein, Gebet, Fleisch, Evangelisation, bibeltreu, Traktat, Bibel, Elberfelder, Psalm, ironisch, Satire

Das Stück

Die Versammlung

Die fünf Personen erledigen aufgeregt die letzten Vorbereitungen für den Hauskreis (Tisch und Stühle richten, trockenes Brot und Wasser, die vertrocknete Zimmerpflanze ins rechte Licht rücken, …)

Hermann: „Hopp hopp, wir haben schon 5 vor 7. Ihr wisst doch, um 7...“

Sabine: „Früher haben wir am Sonnabend immer um 7 die Evangelisationssendung mit Billy Graham angeschaut.“

Bernd: „Oh Mama, das ist doch schon 40 Jahre her. Hermann meint doch unseren Hauskreis heute Abend.“

Regina: „Aber Bernd, Hauskreis gibt’s auch bei den Katholiken und den anderen Heiden. Die wahrhaft Gläubigen, die im Blute gewaschen sind, treffen sich nicht zu einem Hauskreis! Wir verharren in der Gemeinschaft, vereint im Brechen des Brotes und im Gebet.“

Silke: „Also für mich ist das trotzdem einfach unser Hauskreis.“

Hermann: „Kinder, heute ist ein besonderer Abend. Der Neue aus unserer Nachbarschaft will das erste Mal in unseren Hauskreis kommen. Der Herr hat mir ein gutes Gespräch mit ihm geschenkt und mir offenbart, dass ich ihn in unsere Gemeinschaft einladen soll.“
Bernd: „Euer Nachbar? In unserer letzten Gebetszeit habt ihr uns doch offenbart, dass der immer so früh aus dem Haus geht und manchmal nachts nicht nach Hause kommt?“

Regina: „Richtig, der Herr Bach-Dreyer. Eigentlich ist er ein ganz netter Nachbar, aber was heißt das schon? Diese sündige Welt hat viele Gesichter, die einen täuschen können.“

Silke: „Oh, kommt er alleine? Hat er denn keine Frau? Vielleicht ist er ja noch alleinstehend.“

Sabine: „Ein Doppelname? Früher hätte es so was nicht gegeben. Siehe, die Zeichen der letzten Tage sind angebrochen, Sodom und Gomorrah!“

Regina: „Nicht so laut. Ja, seine Ehefrau ist schon länger ausgezogen. Er hat aber trotzdem regen Damenbesuch. Aber halb so schlimm, jetzt kommt er ja zu uns in den Kreis der im Blut Gewaschenen. Noch wandelt er im Fleische, aber Hermann und ich haben die Gabe des Herrn, solche Menschen, die in der Finsternis wandeln, zum Licht zu führen.“

Hermann: „Achtung, gerade ist vor der Haustür das Licht angegangen. Oh, und jetzt geht er durch den Garten. In zwei Minuten steht er vor der Tür. Mission Elkana 2 kann beginnen!“

Silke: „Wieso Mission Elkana 2?“

Hermann: „Ist doch ganz einfach: 1 Samuel 1,2: ‚Und er [Elkana] hatte zwei Weiber: der Name der einen war Hanna, und der Name der anderen Peninna’.“

Regina: „Und er tat, was böse war in den Augen des Herrn, so wie seine Väter getan hatten. 2. Könige 15,9.“

Sabine: „Mein Vater? Das war noch ein Christ, wie er im Buche des Lebens steht. Jeden Morgen um 5 las er in der Heiligen Schrift und legte sie für uns Kinder am Frühstücktisch aus.“

Hermann: „Alle auf ihre Plätze! Wir machen alles so, wie wir es besprochen haben. Schnell, legt noch die Bibel auf den Tisch, die wir ihm schenken wollen. Und nehmt schon einmal die Liederbücher in die Hand, sonst denkt er, wir würden uns dem Müßiggang hingeben.“

Silke: „Kommt das nicht ein bisschen komisch, wenn er das erste Mal bei uns ist?“

Bernd: „Soll ich die Traktate daneben legen? Oder lieber in die Bibel hinein? Mama, hast du die Auslegung von Opa mitgebracht?“

Regina: „Bernd, denke bitte daran, die Flyer für das „Wege aus dem Fleisch – Hinein in das Licht“-Seminar auf jeden Fall hineinzulegen.“

Hermann: „Ich hoffe doch, es ist die Elberfelder 1905 – Bibel, die wir ihm schenken. Oder habt ihr die McArthur Studienbibel besorgt? Es ist wichtig, dass eine sündige Seele eine anständige Übersetzung des Wortes bekommt, auf dass er gerettet werde und im Blute gewaschen werden, damit und nicht mehr in der Finsternis wandle.“

Es klingelt. Schüchtern kommt der Neue dazu, in der Hand eine Flasche Wein. Der Hauskreis ist sichtlich nervös.

David: „Hallo zusammen, vielen Dank für die nette Einladung, die Sie mir in den Briefkasten geworfen haben. Hier, ich hab noch eine Kleinigkeit mitgebracht.“

Regina: „Aber das wäre doch nicht nötig gewesen, Herr Bach-Dreyer.“

Sie nimmt den Wein und gießt damit heimlich die Topfpflanze, während die anderen David begrüßen.

David: „Sagen Sie Dave zu mir. Eigentlich heiße ich David, aber Dave klingt einfach nicht ganz so altmodisch.“

Hermann: „David, wissen Sie denn nicht, woher Sie ihren Namen haben? David war der gesalbte König des Herrn, er durfte dank der göttlichen Gnade 40 segensreiche Jahre über das gelobte Land regieren. Und sie verstoßen diesen Namen?“

Silke: „Nun, da David endlich bei uns ist, können wir doch auch mit dem Lobpreis anfangen, oder?“

Hermann: „ ‚Eure Weiber sollen schweigen in den Versammlungen. 1 Korinther 14,33’. Aber da ich die Gabe der Nächstenliebe habe, verzeihe ich dir gern, meine Liebe.“

Silke errötet und senkt verschämt ihren Kopf.

David: „Sorry, dass ich ein bisschen zu spät komm. Aber ich musste noch schnell zum Automaten.“

Sabine: „Früher hat uns unser irdischer Vater immer 5 Pfennige gegeben, wenn wir die Sonntagspsalme aufsagen konnte. Dann konnten wir uns am Automaten Gebetskärtchen holen. Die waren sehr schön und erbaulich.“

David: „Oh, ich zahl eigentlich alles mit Karte. Aber ich war nicht beim Geldautomaten, sondern hab mir Kippen geholt.“

Hermann: „Wissen Sie denn nicht, dass Ihr Körper ein Tempel des Geistes ist? Und Sie wollen diesen Tempel schänden, indem Sie das Kraut der Versuchung konsumieren?“

Bernd: „Wissen Sie, David, Hermann und Regina haben die Fähigkeit, mit Menschen über die Dinge des Fleisches zu reden.“

David: „Also eigentlich bin ich ja Vegetarier. Fleisch macht mich gar nicht an.“

Hermann: „Nein, solche weltlichen Dinge meinen wir doch nicht. Lassen Sie es mich einfacher formulieren: Hängen Sie noch dem Fleische an? Im Römer 13,13 warnt der Apostel ganz konkret vor den Dingen des Fleisches, der Völlerei und der Unzucht.“

Regina: „Wir haben selbst in der Fleischeslust gelebt, doch jetzt sind wir befreit.“

Sabine: „Mein lieber Mann, Gott hab ihn selig, hat der Fleischeslust nach unserem zweiten Kind entsagt und lebte fortan keusch in Eintracht mit der Heiligen Schrift. Er hat mich seit diesem Tag nicht mehr berührt.“

Alle sehen betreten zu Boden.

Silke: „Darf ich Ihnen ein leckeres Stück Kuchen anbieten? Habe ich selbst gebacken.“

David nimmt ein Stück trockenen Kuchen und beißt hinein, lässt es aber unauffällig verschwinden.

Silke: „Den hab ich nach einem alten Rezept gebacken, dass mir Regina, die liebe Schwester im Herrn hat zukommen lassen. Es ist ein bibeltreues Originalrezept mit selbstgemahlenen Mehl und Wasser, so wie es unser Heiland mit seinen Jüngern am See Genezareth gegessen hat. Ganz ohne Zucker oder andere schädliche Dinge. Schmeckt himmlisch, oder?“

David: „Und wie. Das muss ja ein Hammer Kochbuch sein!“

Hermann: „Die Heilige Schrift ist kein Kochbuch, sondern das offenbarte Wort Gottes. Rein zufällig haben wir hier eine Bibel liegen, die wir Ihnen schenken möchten. Sie werden sie ja brauchen, wenn sie jetzt dann öfters zu uns kommen.“

Hermann: „Wir haben noch ein paar Broschüren hineingelegt, die Sie bestimmt interessieren.“

Sie holt einen Riesenschmöker vor und drückt ihn David in die Hand.

Regina: „Das Büchlein hier ist von Hermann. Er ist wirklich mit der Gabe gesegnet, die Dinge des Fleisches aus biblischer Sicht kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen.“

Hermann: „Dann will ich mal mit unserem heutigen Thema anfangen: Wahre Bescheidenheit und Demut. „Hoffart geht dem Sturze, und Hochmut dem Falle voraus!“, heißt es in Sprüche 16,19. Nun, will jemand etwas dazu sagen?“

Sabine: „Sie haben mir einen Rollstuhl geben wollen, als ich letztes Jahr gefallen bin. Doch ich habe dem Herrn vertraut, dass er mir Engel sendet, damit mein Fuß nicht an einen Stein stößt.“

Bernd: „Mama, du hast doch einen Rollstuhl bekommen.“

Regina: „Bernd, du wirst doch nicht Zweifel am Herrn haben, oder? Was denkst du, Silke?“

Silke: „Naja, in der Bibel steht doch, dass es kein Leid mehr gibt, wenn der Herr wiederkommt.“

Hermann: „Die entscheidende Frage ist doch: Kommt der Herr vor oder nach dem tausendjährigen Friedensreich? Ist es an uns, gemeinsam mit unserem König die dunklen Mächte der Finsternis zu besiegen oder werden wir vorher die Herrlichkeit der neuen Welt erblicken? Was denken Sie dazu, David?“

David: „Ähm, also...ich denke, dass...“

Regina: „Nicht denken, sondern glauben sollst du, spricht der Herr.“

David: „Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich daheim den Gasherd ausgestellt habe. Ich muss ein bisschen früher los. Und meine Katze hat garantiert schon wieder Hunger.“

David steht auf, die anderen erheben sich ebenfalls.

Hermann: „Wir freuen uns auf nächste Woche. Dann kannst du uns sicherlich ein Zeugnis geben, was der Herr in deinem Leben dieser Woche alles bewirkt hat.“

Regina: „Ich würde dir gerne noch die Hände auflegen und dich dem Blute des gekreuzigten Lammes anbefehlen.“

David: „Oh, nächstes Mal gerne. Aber ich muss jetzt echt los. Vielen Dank für alles.“

Silke: „Nimm doch noch ein Stück Kuchen mit.“

Sie drückt ihm ein Stück Kuchen in die Hand. David verlässt das Haus.

Sabine: „Oh, ist David schon gegangen?“

Hermann: „Lasst uns danken, dass der Herr uns ein weiteres Schaf in seine Herde zugeführt hat. Ich bin mir sicher, dass wir heute Abend dem armen Sünder den Weg aus dem Fleisch hinein in das Licht zeigen konnten. Loben wir den Herrn, dass unsere Gemeinschaft, vereint im Brechen des Brotes und im Gebet, dem Teufel wieder einmal ein Schnippchen schlagen konnte.“

Bernd: „Halleluja! Maranatha. Amen dazu!“

Alle beginnen, ein Dankeslied anzustimmen, was aber ziemlich schräg ausfällt.

LICHT AUS

Anmerkungen des Autors

Das Stück orientiert sich an der Erzählung von Adrian Plass "Der fromme Chaot". Ein ironisches und teilweise bissiges Anspiel, dass sich mit der frommen Welt der Hauskreise auseinandersetzt.

Charakterbeschreibung:

Hermann: Hauskreisleiter, dominant; von sich überzeugt; mit der „Gabe“ gesegnet, über Dinge des Fleisches zu reden; Autor eines „345-Seiten-Traktates“; Fernstudium der bibeltreuen Theologie an der Bibelschule XY; verheiratet mit Regina.
Regina: Hausfrau; ordnet sich Hermann bedingungslos unter; hat auch die Gabe; himmelt ihren Mann an, streng biblisch; etwas verschlossen.
Sabine: ältere Dame; leicht schwerhörig; verschroben.
Bernd: Muttersöhnchen; Sohn Sabine; schüchtern; verklemmt; unselbstständig; Selbstzweifel.
Silke: relativ normale Person, die sich in den Hauskreis verirrt hat; backt gerne, aber schlecht; bisschen naiv.
David: kommt später dazu, der ahnungs- und arglose "Neue" im Hauskreis

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