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Der Bibelraucher

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Informationen:

Auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte des Afrikaners Mvutaji, der die Bibel rauchte und dabei das Wort Gottes kennen lernte. Theaterstück von Kindern für Kinder

Kindergottesdienst, Bibel lesen, Afrika, Mission, Evangelisation, wahre Begebenheit, Gästegottesdienst

Das Stück

AKT I: Auf dem Marktplatz

Die Szene spielt sich auf einem armseligen afrikanischen Marktplatz ab, der nur geringfügig bebaut ist und die Bauten sind sehr einfach gestaltet. Im Hintergrund steht ein alter verrosteter Truck, die Landschaft ist trocken und sandig, vereinzelt sieht man Vieh über die Straße rennen (Szenerie eventuell auf Leinwand projizieren). An der rechten Seite legen Händler ihre Ware auf Teppichen aus, links verkauft ein Bauer seine Ware auf Paletten. Vor ihm spielen Kinder ein Würfelspiel und blicken immer wieder zum Missionar in Safarikleidung und Tropenhelm, der auf einer alten Orangenholzkiste steht. Neben ihm seine Frau in ähnlicher Aufmachung, daneben noch ein alter Koffer der mit Bibeln gefüllt ist und einem kleinen Plakat mit Bibelvers. Um den Missionar stehen ein paar vereinzelte Afrikaner und lauschen seinen Worten. Die Szenerie ist stark belebt, unaufhörlich laufen Leute in bunten Kleidern die Marktstraße entlang.

Das Licht ist aus. Die Schauspieler stehen auf der Bühne. Eine Männerstimme aus dem Off beginnt zu erzählen.

Stimme: "Oh! Es freut mich Sie wieder zu sehen. Schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Ich habe gehofft, dass Sie kommen. Und haben Sie noch ein wenig über das nachgedacht, worüber wir gesprochen haben? (kurze Pause) Ich meine natürlich über Gott, was denn sonst? Also ich muss ja gestehen, dass mich Ihre Frage zur Ewigkeit doch noch mal ziemlich ins Grübeln gebracht hat. Ich hab gleich noch am selben Abend, meine Bibel aufschlagen müssen, Ihre Argumente haben mich doch sehr nachdenklich gestimmt. Haben Sie auch noch Mal ... äh ... ich mein? (wieder kurze Pause) Nicht? Hhhmmm ... schade. Wie ich Ihnen bereits sagte, wenn Sie Gott wirklich verstehen wollen, sollten Sie einen Blick hineinwerfen. Wissen Sie, ich hab mich am Anfang auch echt schwer getan diesen dicken Wälzer zu lesen. Vor allem, weil ich kaum was verstanden habe. Ich musste mich anfangs regelrecht dazu motivieren. Ah! Da fällt mir ein, kennen Sie die Geschichte von Mvutaji, dem Bibelraucher?"

Es ertönen typische Geräusche auf einem Marktplatz. Zuerst Motorgeräusche und Menschenmengen, dann vereinzelt Tiergeräusche und das Lachen von Kindern.

Stimme: "Der hat sich die Bibel doch glatt reingezogen und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes."

Die Schauspieler fangen an zu spielen, allerdings ohne zu reden. Unter den Geräuschen im Hintergrund ist nun deutlich aber noch leise das Predigen des Missionars zu hören. Das Licht wird hochgefahren auf 50 %.

Stimme: "Dabei war der, wie er heute selber sagt, gar nicht der Typ für so etwas. Aber wissen Sie was, schauen Sie sich seine Geschichte am besten selber an, ich kenn die nämlich auch nur aus Erzählungen."

Das Licht wird jetzt voll hochgefahren. Die Stimme des Missionars ist nun auf normaler Lautstärke. Das Treiben auf dem Marktplatz ist in vollem Gange.

Missionar: "Und dort steht: 'Voller Freude tut er den Willen des Herrn und denkt über sein Gesetz Tag und Nacht nach', und an anderer Stelle lesen wir (er blättert weiter in seiner Bibel): 'Die Worte des Gesetzes sollen immer in deinem Mund sein. Denke Tag und Nacht über das Gesetz nach, damit du allem, was darin geschrieben steht, Folge leisten kannst, denn nur dann wirst du erfolgreich sein.' (er klappt die Bibel zu) Ihr seht also, liebe Freunde, es ist wichtig, dass Ihr das Wort Gottes kennt und deswegen (er steigt von seiner Kiste herab) haben meine Frau und ich euch Bibeln mitgebracht. Bitte greift zu!"

Missionarin: "Es sind genügend für alle da." (sie teilt Bibeln aus)

Die Afrikaner nehmen die Bibeln nur zögernd entgegen. Zwei sehen sich an und wechseln ein paar kurze Worte. Der erste reicht sie zurück.

Missionarin: "Ja, aber willst du denn vielleicht nicht doch ...?"

Afrikaner: "No, no, no, sorry. I am an atheist." (wedelt vehement mit den Armen)

Der erste Afrikaner geht und scheucht die Kinder von der Bühne. Der Zweite lässt die Bibel fallen und läuft ihm hinterher. Der Dritte kurz darauf ebenso. Der Missionar sammelt die Bibeln zusammen.

Missionar: "Hey! jetzt wartet doch mal, lauft doch nicht alle weg!"

Er bleibt stehen. Er seufzt laut und lässt seinen Kopf hängen. Seine Frau tritt langsam von hinten an ihn heran und schlingt ihre Arme um ihn.

Missionar: "Drei Jahre Liselotte, drei Jahre, sind wir jetzt schon hier, ohne einen einzigen Menschen für IHN gewonnen zu haben."

Missionarin: "Aber Albert, du weißt doch, dass wir geduldig bleiben müssen. Erinnere dich doch nur daran, wie lange es gedauert hatte, bis wir die ganzen Spenden für diese Mission zusammen hatten. Vergiss nicht, was Pastor Matthias uns auf den Weg mitgegeben hat: Eine Tür, die ER öffnet, kann niemand zuschließen."

Mvutaji tritt auf die Bühne mit einer Zigarette im Mund und schlendert an dem Ehepaar vorbei. Der Missionar entdeckt ihn, reist sich aus den Armen seiner Frau und macht einen Satz nach vorne, um ihm eine Bibel zu reichen. Mvutaji bleibt stehen und blickt starr auf die Bibel.

Missionar: "Hey, entschuldigen Sie mal. Warten Sie, darf ich Ihnen eine Bibel schenken? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sie nehmen würden."

Mvutaji (nimmt ganz langsam die Zigarette aus dem Mund und nimmt die Bibel in die Hand. Er sieht erst jetzt zu dem Missionar hoch): "Und was soll ich damit?"

Missionar: "Na, lesen natürlich."

Mvutaji: "Kann ich mir aus dem Papier Zigaretten drehen?"

Missionar (in ernstem Ton): "Natürlich nicht! Das ist das Wort Gottes mein Freund und keine Tabakbüchse."

Mvutaji presst energisch die Bibel an die Brust des Missionars zurück und geht ohne ein weiteres Wort weiter. Der Missionar packt ihn bei der Schulter und zerrt ihn zu sich zurück.

Missionar: "Na gut, hören Sie. Wenn Sie mir versprechen könnten, dass Sie jede Seite, die Sie rauchen auch lesen werden, dann gebe ich Ihnen gerne diese Bibel. Aber bitte lesen Sie sie auch."

Mvutaji: "Dieses Buch liegt dir ja wirklich am Herzen, Weißer. Aber gut, der Deal ist es mir wert. Ich werde es lesen."

Mvutaji klemmt sich die Bibel unter dem Arm, nimmt nochmal einen Zug von seiner Zigarette und blickt dabei den Missionar an, der sich rückwärtig auf seine Frau wieder zu bewegt. Mvutaji dreht sich um und verlässt das Bühnenbild.

Missionar: "Damit erfüllt wenigstens diese Bibel einen Zweck, bevor sie alle in unseren Taschen vermodern."

Missionarin: "Oh Albert, du bist so pessimistisch."

Missionar: "Nicht einmal bei uns, wo sich Ärzte und Gelehrte gegenseitig das Leben schwer machen, nimmt man sich ihre Worte zu Herzen. Warum also sollte er es tun? Nun (aufseufzen), jetzt dient sie wenigstens doch noch einem Zweck."

Das Licht geht aus. Ende AKT I

AKT II: Busfahrt zur Arbeit

Das Licht ist aus. Man hört den startenden Motor eines Busses. Während die Motorgeräusche weiterlaufen, geht langsam das Licht an. Auf die Leinwand ist die rückwärtige Fluransicht eines alten Busses zu sehen. Vor der Leinwand sind vier Reihen mit je vier Stühlen aufgebaut, in der Mitte verläuft senkrecht zu den Reihen ein kleiner Flur. Bis auf wenige Plätze sind alle Stühle besetzt. Vorne rechts sitzt Mvutaji. Er raucht eine Zigarette, auf seinem Schoß liegt die aufgeschlagene Bibel, in der er gemütlich blättert. Rechts neben ihm eine cowboy-ähnlich bekleidete, weiße Dame mit einem Cowboyhut. Sie schläft und schnarcht laut, den Cowboyhut hat sie sich tief ins Gesicht gezogen. Die restlichen Plätze sind von schwarzen Einwohnern besetzt, der Großteil hat etwas bei sich. Einige Tiere wie Hunde, Hühner und Schafe sitzen im Flur oder auf dem Schoß ihres Besitzers. Eine Frau mit ihrem Baby auf dem Arm ist ebenfalls zu sehen. Das Geschrei des Babys und der Tiere ist zu hören. Die Mitfahrer sind immer leicht in Bewegung aufgrund der unebenen Straße und werden immer wieder durch kleine Bodenwellen oder Schlaglöcher durchgerüttelt, was mit einem unterdrückten Aufschrei verbunden ist. Von einer Bodenwelle wird das Cowgirl unsanft aus dem Schlaf gerissen und schreckt verstört auf.

Ann: "Wie? Was? Nashörner! Wo? Wer? (kurze Pause, sie fällt entspannt zurück in ihren Sitz und merkt, dass sie geträumt hat) Verdammt noch Mal, was für ein miserabler Fahrer. Der wird uns noch zu einer leichten Beute für die Hyänen machen."

Mvutaji (sein Blick ist immer noch völlig auf die Bibel fixiert): "Man hat seit Jahren kein Wild mehr in dieser Gegend gesehen."

Ann (lacht hämisch): "Haha! Da haben sie aber nicht mit Miss Mary Ann Wild gewettet. Ich spüre Wild noch im Umkreis von 100 km präzise auf, bis ich es vor die Flinte bekomme. Hähä!"

Sie zieht eine Flinte hinter dem Bussitz über die Schulter hervor und lädt sie. Die Mitfahrer erschrecken mit einem ohnmächtigen Stöhnen. Mvutaji greift nach ihrem Lauf und zieht ihn nach unten.

Mvutaji: "Sag mal, hakt’s bei dir?! Bist du wahnsinnig? Es gibt hier für dich kein Wild zum erlegen, kapier das!"

Ann: "Ach, ja Klugscheißer? Und woher willst du das wissen? Steht das vielleicht hier in deinem schlauen Buch? (Sie reist das Buch verkehrt herum an sich und versucht darin zu lesen?) Oh ...!? Das sieht mir nach einer seltenen Stammessprache aus, vielleicht aber auch Suaheli."

Mvutaji (ungläubig): "Das ist verkehrt."

Ann: "Verkehrt? Du unterschätzt meine sprachlichen Kompetenzen, Kleiner, ich spreche mindestens fünf Stammessprachen fließend und dazu noch ein Dutzend Dialekte."

Mvutaji (mit festem Blick auf sie gerichtet): "DAS BUCH ... (nimmt es aus ihrer Hand und dreht es richtig rum. Der Blick dabei weiterhin ganz starr auf sie gerichtet) ist verkehrt."

Ann (kurze Pause. Sie wechselt mehrmals den Blick zwischen ihm und dem Buch und antwortet leicht hochnäsig): "Da fehlen ja Seiten."

Mvutaji: "Na wenigstens kannst du Spuren lesen."

Ann: "Heiliges Rhinozeros, das ist ja ´ne Bibel."

Mvutaji: "Eine BIBEL, genau. Und die muss ich jetzt lesen." (nimmt sie ihr wieder aus der Hand und legt sie auf seinen Schoss)

Es ist zu hören, wie der Bus stehen bleibt und eine Tür sich öffnet. Ein weiterer Fahrgast steigt ein und nimmt Platz. Mvutaji folgt ihm mit seinen Blicken. Währenddessen bewegt Ann ihren Kopf ganz nah an Mvutajis Kopf und blickt auf die Bibel. Als er seinen Blick zurück auf die Bibel wenden möchte, starrt er verdutzt in das Gesicht von Ann.

Ann: "Ich hab sie noch nie gelesen. Ist sie denn spannend?"

Mvutaji: "Naja, ähm ..., ich ..."

Ann (schaut ihm tief in die Augen und ist dabei nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Er lehnt sich weit in den Flur zurück): "... und romantisch?"

Mvutaji: "Also, äh ... sie ist auf jeden Fall sehr durchdacht ... da steckt ne Menge sinnvolles Zeug drin. Macht sehr nachdenklich, von daher sicherlich nicht langweilig."

Ann (etwas skeptisch): "Aha? Und was zum Beispiel?"

Mvutaji: "Na ja, hier zum Beispiel. Hier schreibt so’n Matthäus, das war so ein Kumpel von diesem (kurze Pause) na, du weißt schon, von diesem selbsternannten Gottessohn, na Jesus hier, ne? Und der schreibt hier über ihn, dass er gesagt haben soll: 'Ich versichere euch: Hört auf, andere zu verurteilen, dann werdet auch ihr nicht verurteilt. Denn andere werden euch so behandeln, wie ihr sie behandelt. Der Maßstab, nach dem ihr andere beurteilt, wird auch an euch angelegt werden, wenn man euch beurteilt.'"

Längere Zeit betroffenes Schweigen. Sie sitzt mit verschränkten Armen aufrecht neben Mvutaji und starrt in Richtung des Busfahrers. Sie beugt sich leicht zu ihm hin ohne dabei die Augen vom Fahrer zu lösen. Er nährt sich mit seinem Ohr ihrem Mund

Ann (im Flüsterton): "Fällt da auch die Kritik am Busfahrer darunter?"

Mvutaji (ebenfalls flüsternd): "Weiß nicht, sagte ja, ist `n Buch, das nachdenklich macht. Aber ich glaub schon."

Ann lehnt sich wieder zurück und lächelt in sich hinein. Plötzlich verwandelt sich ihr Gesicht in blanke Panik.

Ann: "Was macht er denn da, der fährt doch viel zu schnell."

Reifenquietschen ist zu hören und alle Mitfahrer kippen simultan nach rechts und reisen die Arme mit einem lauten Schrei nach oben. Das Licht geht aus und zeitgleich ist das Klirren von Glas zu hören. Ende AKT II.

AKT III: In der Ambulanz

Das Licht ist zunächst aus. Man hört Sirenen eines Krankenwagens näher kommen. Zeitgleich leuchtet zunehmend blaues, blinkendes Licht auf. Eine Schiebetür öffnet sich, rollende Gestelle sind zu hören, mehrere Menschen Stimmen reden miteinander. Fiepende und piepsende Geräte sind im Hintergrund zu hören sowie Durchsagen über Lautsprecher. Das Stampfen von Schritten setzt sich langsam gegen die anderen Geräusche durch. Mit dem Klang einer sich öffnenden Tür wird das Licht hochgefahren. Auf die Leinwand ist ein OP-Saal abgebildet. Auf einem Tisch liegt Mvutaji mit heruntergelassener Hose und einem Verband um den Kopf. Er liegt auf dem Bauch, vor sich aufgeschlagen wieder die Bibel. In seinem Mund, wie immer eine Kippe. Der Unterleib ist durch einen Vorhang verdeckt, sodass nur die Beine und der Oberkörper sichtbar sind. Eine Ärztin mit einem Klemmbrett unter dem Arm, betritt den OP-Saal.

Ärztin (läuft auf den Patienten zu, zieht das Klemmbrett unter dem Arm hervor. Sie setzt sich auf einen Hocker und wirft einen Blick auf die Unterlagen, während sie ihre Brille von der Stirn zieht): "So Herr ... Mvutaji, dann wollen wir mal sehen, was wir für Sie tun können. Also laut den Röntgenaufnahmen (hält mehrere Röntgenaufnahmen nacheinander gegen das Licht), scheint alles in Ordnung zu sein. Abgesehen von den Schürfwunden keine weiteren Verletzungen. Keine inneren Blutungen, keine Frakturen, nicht einmal Risse. Und der Fremdkörper in ihrem Gluteus maximus hat auch keine wichtigen Nervi oder versorgende Gefäße getroffen. Sobald wir diesen entfernt haben, können Sie wieder nach Hause."

Mvutaji (dreht sich leicht zur Krankenschwester um): "Was hab ich?"

Ärztin (legt das Klemmbrett auf einem kleinen Tisch ab und beginnt Notizen darauf zu machen, während sie dabei immer wieder das Gesäß von Mvutaji unter die Lupe nimmt): "Sie haben einen Glassplitter in Ihrem Allerwertesten, den Sie beim Flug durch die Frontscheibe mitgerissen haben. Es grenzt wahrlich an ein Wunder, dass Sie sich nicht mehr getan haben."

Mvutaji (ein wenig in sich gekehrt): "Na, lieber einen Splitter im Arsch als einen Balken im Auge."

Ärztin: "Was meinen Sie?"

Mvutaji: "Nichts, nichts ... ich habe nichts gesagt. (im Flüsterton mit Blick auf die Bibel) Jetzt fang ich schon an, aus dem Ding zu zitieren."

Ärztin: "Was murmeln Sie denn da die ganze Zeit vor sich hin? Ich muss mir doch nicht ernsthaft Sorgen machen, dass Sie ein leichtes Hirntrauma davon getragen haben? Schwester!"

Mvutaji: "Nein, mir geht’s gut. (leise) Glaub´ ich zumindest."

Die Schwester betritt den Saal.

Ärztin: "Bringen Sie mir bitte eine chirurgische Zange, Octenisept, das Hansaplast-Set und Handschuhe. (die Krankenschwester nickt und will gerade gehen) Oh, und würden Sie bitte unserem Patienten die Zigarette entnehmen, er weiß wohl nicht, dass hier Rauchverbot herrscht."

Die Schwester zieht Mvutaji unsanft die Kippe aus dem Mund und sieht sie angewidert zwischen ihren beiden Fingerspitzen an, während sie den Raum verlässt.

Mvutaji: "Verdammt noch mal, die hab ich mir verdient!! Ich les doch nicht umsonst die Seiten!" (will sich aufrappeln)

Ärztin (greift ihn am Hintern und zieht in zurück auf die Bare, während Mvutaji, die Luft zwischen den Zähnen einzieht und ein schmerzverzerrtes Gesicht macht): "Schön hier geblieben, wir haben noch gar nicht angefangen. Was meinen Sie überhaupt mit‚ Sie lesen die Seiten nicht umsonst.’ Sie rauchen doch nicht etwa das Buch, das Sie da lesen?"

Mvutaji: "Haben Sie ein Problem damit?"

Ärztin: "Nur solange Sie es in meiner Abteilung tun."

Die Schwester kommt mit einem Tablett, auf dem die Utensilien liegen und stellt sie fein säuberlich auf dem Tisch neben der Ärztin ab. Das Tablett hält sie weiterhin in der Hand und bleibt neben der Ärztin stehen.

Ärztin (zieht die Handschuhe an): "So Herr Mvutaji, das wird jetzt kurz einen Moment weh tun."

Die Ärztin nimmt die Zange vom Tablett und setzt zum Zug an. Mvutaji beginnt aufzuschreien und presst sich dabei die Bibel mit beiden Händen gegen den Kopf. Die Ärztin zuckt mit der Zange zurück – Zupfsound – und hält den Glassplitter zwischen den Zangengliedern, um ihn auf dem Tablett abzulegen. Die Krankenschwester nimmt den Splitter entgegen und verlässt den Saal. Die Krankenschwester beginnt den Hinter zu desinfizieren und abzutupfen. Mvutaji schreit unterdessen immer noch.

Ärztin: "Herr Mvutaji, (tritt an ihn heran) Herr Mvutaji (lauter) Herr Mvutaji (Mvuatji hört auf zu schreien und starrt die Ärztin mit weit aufgerissenen Augen an.) Sie können endlich aufhören zu schreien. Der Splitter ist draußen."

Mvutaji (beschämt): "Oh äh, ja ich, ähm ... Danke?"

Ann stürmt in den OP-Saal mit ihrer Flinte.

Ann: "Wer schreit hier?"

Ann erblickt den noch immer unterhalb entkleideten Mvutaji und beginnt zu schreien. Zeitgleich schreit auch Mvutaji wieder.

Ann: "DU BIST NACKT!" (zeitgleich)
Mvutaji: "ICH BIN NACKT!" (zeitgleich)

Ann dreht sich auf ihren Versen um und hält eine Hand vor ihre Augen, die andere umklammert immer noch die Flinte. Dabei lugt sie immer wieder hervor und versucht einen Blick von Mvutaji zu erhaschen, der sich unterdessen von der Liege bewegt und schnellstmöglich versucht seine Hose wieder anzuziehen. Die Bibel liegt immer noch ausgebreitet auf der Liege.

Ärztin: "Also Bitte! Etwas mehr Diskretion, Sie können doch nicht einfach hier hinein stürmen!"

Ann: "Ich kann da gar nicht hinsehen."

Mvutaji: "Sollst du auch nicht."

Ann: "Ich dachte hier stirbt jemand."

Mvutaji: "Ich bin ja auch beinah gestorben."

Die Ärztin zieht sich die Handschuhe aus und wirft sie in den Mülleimer, danach greift sie nach der Bibel und schlägt sie auf.

Ärztin: "Da brat mir doch einer ´nen Storch. Das ist ja die Bibel. Und die lesen und rauchen Sie obendrein auch noch? Was erhoffen Sie sich dabei? Glauben Sie mir, nur weil es die Bibel ist, werden Ihre Zigaretten auch nicht gesünder. Und überhaupt, warum setzen Sie sich mit so einem nutzlosen Buch auseinander?"

Mvutaji: "Jetzt machen Sie aber mal halblang, gute Frau! Haben Sie sie überhaupt schon Mal gelesen?" (nimmt ihr die Bibel weg)

Ärztin: "Nein, wozu auch? Damit mach ich hier auch niemanden gesund."

Mvutaji: "Als ob das alles wäre, worum es im Leben geht. Ich lese sie!"

Ann (fällt Mvutaji ins Wort): "Er liest sie nicht nur, er zieht sie sich rein."

Mvutaji: "Ann, bitte! Ja, ich lese sie und solange Sie das nicht auch tun, wäre ich mit solchen Aussagen vorsichtig! Ich halte sie für sehr durchdacht und keineswegs abwegig! Vielleicht sollten Sie Ihre medizinischen Nachtlektüren einmal beiseite legen und einen Blick in dieses Buch werfen (zeigt auf Bibel). Komm Elisabeth, wir gehen jetzt!"

Er nimmt Ann bei der Hand und zieht sie mit sich, die Bibel unter dem Arm geklemmt. Ann bleibt stehen und dreht sich um.

Ann (ein wenig arrogant): "... und romantisch ist sie auch. Hhhmmm!"

Mvutaji und Ann ab. Kurz darauf erscheint Krankenschwester und räumt den Tisch ab. Die Ärztin steht ein wenig überrollt da, beide Arme an die Hüft gestemmt.

Ärztin (ohne sich zur Krankenschwester umzudrehen): "Sagen Sie mal, haben Sie schon Mal die Bibel gelesen?"

Schwester: "Wie? Ähm ... nein, bis jetzt noch nicht! Wieso fragen Sie?!"

Ärztin (dreht sich zu ihr um und sieht sie für einen Moment kurz nachdenklich an): "Würden Sie mir einen Gefallen tun, bevor Sie Feierabend machen? In der Klinikkapelle gibt es eine Bibel. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir diese ins Büro legen könnten. Ich muss da etwas nachlesen."

Krankenschwester nickt und geht ab.

Ärztin (ungläubig): "Romantisch!?"

Licht Aus. Ende AKT III

AKT IV: Die Nacht im Freien

Auf der Leinwand ist eine klassische Steppe im Mondschein abgebildet. Der Mond selbst leuchtet groß und voll. Im Hintergrund sind Grillen zu hören. Gelegentlich dringen einzelne Tierstimmen von Hyänen, Elefanten und anderem Wild hervor. Auf der Bühne brennt ein Lagerfeuer. Mvutaji und Ann treten auf die Bühne beide mit einem Schlafsack unter dem Arm.

Ann: "Mvutaji, ich muss wirklich sagen, ich hab schon lange kein so gutes Reisgericht mehr gegessen. Vielen Dank, es war sehr köstlich."

Mvutaji: "Ann, es war doch nichts weiter als ein einfaches Reisgericht."

Beide fangen an ihre Schlafsäcke in Nähe des Lagerfeuers auszubreiten.

Ann: "Na, dann macht es dir bestimmt nichts aus, mir noch mal eines zu kochen."

Mvutaji: "Ah! Ich wusste doch, dass das nur ein Vorwand war." (lächelt breit)

Ann (lässt sich in ihren Schlafsack fallen): "Uff ... ich bin so satt und diese Hitze heute ist einfach unerträglich. Ich bin froh, dass du noch einen zweiten Schlafsack hast. Ich hätte mich im Haus zu Tode geschwitzt."

Mvutaji: "Bedank dich bei meinen Kumpels, die haben sie mir geschenkt."

Ann (setzt sich schwungvoll auf): "Sag Mal Mvutaji, hast du oft Besuch hier, in dieser Einöde?"

Mvutaji: "Ja, Gott sei Dank. Ohne ließe es sich hier auf Dauer nicht aushalten."

Ann (mit einem breiten Grinsen): "Ach wieso denn? Es ist doch herrlich hier."

Es ist das laute Brüllen eines Löwen zu hören. Daraufhin verzieht Ann ihr Gesicht zu einer angstverzerrten Miene.

Ann (während sie langsam ihre Flinte aus dem Schlafsack zieht und eng an sich presst): "Mvutaji ... was war das? Hast du nicht gesagt, es gibt hier kein Wild?"

Mvutaji: "Gibt es auch nicht. Das waren die Hühner des Nachbarn."

Es ist wieder das Brüllen eines Löwen zu hören.

Ann (panisch): "Hühner?!"

Mvutaji: "Große Hühner."

Noch einmal das Brüllen des Löwen. Diesmal besonders laut. Ann krabbelt ängstlich in ihren Schlafsack ohne dabei ihre Flinte von sich zu nehmen.

Mvutaji (krabbelt langsam in seinen Schlafsack): "Öh ... sehr große Hühner."

Ann (kindlich, ängstlich): "Aha?!"

Ann zieht ihren Schlafsack bis unter die Nase und sucht mit ihren Augen alle Winkel im Freien ab aus Angst sie könnte angegriffen werden, ohne dabei Mvutaji zuzuhören.

Mvutaji: "Ann, ich versteh das einfach nicht, wieso hab ich heute dieses Buch vor der Ärztin verteidigt? Ich meine, ich halte doch eigentlich gar nichts von diesem Buch. Ich kann das nicht nachvollziehen. Es ist als wäre ich nicht mehr ich gewesen. Sehr merkwürdig. Ann? Ann! Hörst du mir überhaupt zu?"

Ann (wendet ihren Blick wieder Mvutaji zu): "Hhmmm?"

Mvutaji (während er sich eine Zigarette ansteckt): "Mann Ann, jetzt mach dir doch nicht ins Hemd. Das sind doch nur die Löwen des Safariparks, die brav und sicher in ihrem Gehege eingesperrt sind. Wenn die Luft klar ist, hört man sie kilometerweit."

Ann (regt sich aus ihrem Schlafsack): "Was? (entspannt sich wieder) Äh ... ich meine, was du nicht sagst. Warum erzählst du mir das? Das weiß ich doch, ich hoffe nur, dass du nicht vor Angst davon rennst und ich allein die Arbeit mit den Tieren habe für den Fall, dass sie ausbrechen. Das ist nämlich ganz schön anstrengend sag ich dir!"

Mvutaji: "Aber sicher doch, Ann. Schlaf jetzt!"

Ann: "Aber ich hab ein Auge auf dich. Nicht das die Hyänen dich noch anknabbern. Gute Nacht."

Mvutaji schmunzelt vor sich hin und schüttelt dabei den Kopf. Währenddessen zieht er seine Bibel hervor und fängt an zu Lesen. Ann hat sich unterdessen mit dem Rücken zum Publikum zugedreht und schläft. Im Hintergrund ist Mvutaji Stimme auf einmal zu hören. Er liest Johannes 3 vor. Während er liest führt er irgendwann die Zigarette nicht mehr zu seinem Mund zurück und wirft sie schließlich weg. Bei Johannes 3, 16 endet er und sieht von seiner Bibel auf.

Mvutaji (erleuchtet): "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, dass jeder der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat."

Licht aus. Ende AKT IV

AKT V: Im Gottesdienst

Auf der Leinwand erscheint für einen kurzen Moment die Aufschrift: 'Einige Monate später ...' danach sind bunte Glasfenster einer Kirche abgebildet durch die Licht einfällt. Auf der Bühne ist im Hintergrund ein in einheitlichen Farben gekleideter afrikanischer Kirchenchor aufgestellt. Vor ihnen sitzen die Gottesdienstbesucher in Reihen. Die Reihen sind dabei so ausgerichtet, dass die Gottesdienstbesucher mit der Seite zum Publikum gewendet sind, der Blick nach vorne (nach rechts vom Publikum aus). Rechts vom Publikum steht der Missionar an seinem Rednerpult. Weiter rechts, abseits der Bühne stehen Mvutaji und Ann. Beide sind in festlicher Aufmachung gekleidet. Auf Mvutaji und Ann wird ein Lichtkegel geworfen, die Bühne ist währenddessen nur zu 50 % beleuchtet, die Schauspieler unterhalten sich, allerdings, ohne das etwas zu hören ist. Der Missionar bereitet sich unterdessen auf seine Predigt vor. Ann ist gerade dabei Mvutajis Krawatte gerade zu rücken. Der dreht sich unaufhörlich zum Missionar um.

Ann (schnaubend): "Jetzt halt doch endlich still! Wie soll ich dir denn sonst helfen? Wie eine aufgebrachte Antilope."

Mvutaji: "Ich war noch nie so aufgeregt wie heute. Ann? (Greift nach Anns beiden Handgelenken, da sie immer noch mit der Krawatte beschäftigt ist.) Ich kann das nicht. All die Leute, sie sind alle nur wegen mir hier."

Ann (umgreift sein Gesicht): "Tja Mvutaji, du bist eben bekannt in dieser Gegend wie kein anderer (kurze Pause) und vor allem seit du aufgehört hast zu rauchen." (beide lachen sich an)

Mvutajis Lächeln verschwindet nach wenigen Augenblick und verwandelt sich wieder in ein trauriges Gesicht. Ann und Mvutaji stehen sich nun beide Hand in Hand gegenüber.

Mvutaji: "Aber mehr habe ich Ihnen ja auch nicht zu erzählen, Ann."

Ann: "Oh, du hast ihnen sehr wohl etwas zu erzählen. Sie alle wollen deine Geschichte hören und sie sind neugierig."

Mvutaji: "Genau das ist es Ann. Sie sind sensationsgeil, mehr nicht."

Ann: "Nicht alle Mvutaji, nicht alle. Einige vielleicht, aber viele sind gekommen, weil sie verstehen wollen, wie die Worte eines simplen Buches dich so verändern konnten und zwar grundlegend."

Mvutaji: "Aber bei dir hat sich doch auch alles geändert, wieso erzählst du es ihnen dann nicht?"

Ann (mit breitem Grinsen): "Im Gegensatz zu dir hab ich sie nicht geraucht, mein Lieber. Und jetzt komm, Albert wartet schon auf uns."

Beide laufen auf die Bühne zu und setzten sich auf zwei Stühle neben dem Missionar. Das Licht auf der Bühne wird währenddessen hochgefahren.

Missionar: "Ich freue mich, dass Sie heute an diesem Sonntag alle so zahlreich hier eingetroffen sind und es ist mir eine Ehre, das Wort gleich an unseren heutigen Redner zu übergeben. Wir haben ja alle in den letzten Wochen und Monaten spannend seine Geschichte und Entwicklung verfolgt. Heute nun wird er selbst uns seine einzigartige Geschichte erzählen und ich danke Gott, dass ich sie kennen darf. Mvutaji, würdest du uns bitte deinen Dienst erweisen?"

Der Missionar verlässt das Pult und setzt sich auf Mvutajis Platz, der nach einem letzten Blickwechsel mit Ann auf das Rednerpult zuläuft und einen Moment innehält.

Mvutaji: "Ich rauchte Matthäus, ich rauchte Lukas und ich rauchte Johannes. Ich rauchte bis Kapitel 3, 16 und den Satz, den ich dort las veränderte mein Leben. 'Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, dass jeder der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.' Als ich diese Zeilen las, konnte ich es kaum glauben, dass ein Gott, dem ich, seinem Verständnis zufolge, hätte vollkommen gleich sein müssen, so sehr liebte, dass er das Wertvollste hergab, dass er besaß. Ich verstand, dass dieser Gott, ein Gott der Liebe sein musste, denn die Liebe einem Menschen zu schenken, der sich vollkommen von ihm abgewandt hatte, ja gegen ihn rebelliert hatte, verkörperte für mich, was viele wohl als die heilige Liebe Gottes bezeichnen ..."

Die Szene spielt weiter, allerdings ist Mvutaji nur noch im Hintergrund zu hören in den Vordergrund tritt nun die Stimme des Erzählers. Das Licht auf der Bühne wird leicht heruntergefahren.

Erzähler: "Ja, so oder ähnlich hat sich das mit Mvutaji zugetragen. Ob Sie mir es nun glauben oder nicht, aber die Geschichten wiederholen sich. Sogar im Gefängnis hat es einen Mann gegeben, der die Bibel nicht nur geraucht, sondern auch gelesen hat und ja auch bei ihm hat sich vieles geändert. Ich kann Ihnen also nur wärmstens empfehlen, wenn Sie heute wieder nach Hause gehen, dann werfen Sie doch Mal einen Blick hinein."

Licht aus. Ende Akt V.

Gospelmusik ertönt. Das Licht auf der Bühne geht an und die Darsteller erscheinen einzelnen auf der Bühne und verbeugen sich, während der Kirchenchor zur Musik mitschwingt und singt.

LICHT AUS.

Anmerkungen des Autors

Das Stück könnt ihr auch gern in formatierter Form als PDF-Datein bei mir bekommen - schreibt mich einfach an!

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