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So plötzlich

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Informationen:

  • 5-15 Minuten
  • Tod, Trauer, Leid, Allgemein

Ein Pfarrer probiert eine Frau zu trösten, die zuvor ihren Mann verloren hat. Es folgt ein Gespräch über Gottes Wege und Gottvertrauen.

So plötzlich, Tod, Trauer, Wut auf Gott, Warum, Leid, Verzweiflung

Das Stück

Pfarrer: „Frau Wendt ...“

Gudrun: „Kommen Sie herein, Herr Pfarrer. (Der Pfarrer tritt ein, bleibt aber nach einigen Schritten stehen.) Setzen Sie sich doch.“

Pfarrer: „Ja." (Er setzt sich in einen der Sessel. Gudrun setzt sich ebenfalls.)

Gudrun: „Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind.“

Pfarrer (nickt): „Ihre beiden Kinder ...“

Gudrun: „Sind in ihrem Zimmer. Max hat darum gebeten, nicht dabei sein zu müssen, wenn Sie kommen. Es sind so viele Leute hier gewesen in den vergangenen beiden Tagen, es ist einfach zu viel, dafür haben Sie sicherlich Verständnis."

Pfarrer: „Natürlich. Wann wird der Große wieder zur Schule gehen?“

Gudrun: „Am Montag nach der Beerdigung. Amelie lasse ich wohl besser noch eine Weile bei mir zu Hause ...“

Pfarrer: „Frau Wendt, denken Sie nicht, das sei ein Routinebesuch für mich ...“

Gudrun: „Eigentlich bin ich dankbar, wenn jemand kommt und mich ... ablenkt.“

Pfarrer: „Haben Sie Freunde oder Verwandte, die Ihnen bei den Formalitäten helfen?“

Gudrun: „Ja, ja, meine Schwester und ihr Mann kümmern sich um alles ... Ich hätte das allein niemals geschafft ... Es ist alles organisiert, alles vorbereitet. Sie haben auch schon die Kränze ausgesucht, ich konnte das nicht. Jetzt muss ich nur noch übermorgen in dieser Kapelle sitzen mit meinen Kindern und dann hinter dem Sarg hergehen und zusehen, wie sie ihn in dieses Erdloch einsperren und dann zuschütten. Ich hoffe, ich halte das durch. Ich weiß es nicht. Mein Mann war erst 33.“ (weint)

Pfarrer (berührt mit seiner rechten Hand Gudruns Schulter): „Weinen Sie ruhig.“ (schweigt; Gudrun weint, die Hände vor dem Gesicht)

Gudrun (wieder etwas ruhiger, aber immer noch mit zitternder Stimme): „Wenn Sie schon herkommen, dann müssen Sie sich auch die Frage gefallen lassen, was Gott sich dabei gedacht hat, mir so plötzlich meinen Mann wegzunehmen – mit 33 Jahren! Und unseren Kindern den Vater ... das ist einfach nur grausam ... Was fällt ihm ein ... Sagen Sie mir wieso. Sagen Sie es mir. Sagen Sie es mir, wenn Sie können.“

Pfarrer: „Gott weiß um ihren Schmerz ...“

Gudrun: „Dann weiß er auch, dass ich ihn hasse.“

Pfarrer: „Es gibt auch für mich vieles im Leben, wofür ich keine Erklärung habe, und dennoch kann ...“

Gudrun: „Mein Mann hat unsere Kinder so sehr geliebt. Er war ein guter Vater, wirklich. Ich kann das nicht ersetzen.“

Pfarrer: „Gott will unser Vater sein und unseren Mangel ausfüllen – wenn wir es annehmen ...“

Gudrun: „Wie soll es jetzt weitergehen? Gott hat nichts anderes getan, als eine Familie zerstört. Genau das. Das können Sie ihm sagen, Sie haben sicherlich einen guten Draht zu ihm. Ich hab‘ nicht den Eindruck, dass ihm sehr daran liegt, wie es uns geht ...“

Pfarrer: „Ich kann ihre Verzweiflung nachempfinden ... Ich weiß, dass es alles andere als einfach für sie ist ... so jung ... Ich wollte Sie nicht aufwühlen mit meinem Besuch, es tut mir Leid ... ich, ich würde Ihnen gerne etwas Trostvolles sagen, aber es ist wohl besser, wenn ich wieder gehe ...“

Gudrun: „Versuchen Sie es doch. Ich höre Ihnen zu. Geben Sie nicht so schnell auf.“

Pfarrer (ringt sichtlich um die rechten Worte und beginnt dann zögerlich zu sprechen): „Zusammenhänge zu erblicken, das Ziel zu sehen, auf das alles zuläuft, die Bedeutung dessen zu erfassen, was manchmal als Chaos über uns hereinbricht – das sind seltene Momente, ich bin da ganz ehrlich, es sind kostbare Geschenke. Heute und Morgen ziehen einen fremden Faden ins Gewebe von Gestern und Vorgestern – das Muster ist nicht zu erkennen. Ja, so ist es: wenig geschieht, von dem wir, während es geschieht, so ganz begreifen, warum es geschieht.“ (Pause, in der beide schweigen) „Im Ja zum Willen Gottes liegt eine große Kraft zum Tragen und Ertragen, ohne unter dieser Last, die er Ihnen auferlegt, zusammenzubrechen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Gott Ihnen hilft, bald wieder nach vorne blicken zu können – und auch nach oben. Er wird Sie nicht allein lassen. Vertrauen Sie ihm.“

Gudrun: „Finden Sie, er hat mein Vertrauen verdient? Wollen Sie wissen, wie ich mich fühle? Ich lebe und bin doch tot. Ich kann meine Arme bewegen, und in mir ist alles völlig erstarrt. Ich rede, aber mein Kopf ist so leer, dass ich gar keine Worte finde. Manchmal sehe ich mich selber weinen, wie man einem anderen Menschen beim Weinen zusieht ...“

Pfarrer: „Haben Sie mit einem Arzt gesprochen?“

Gudrun: „Mein Schwager hat mir etwas zur Beruhigung mitgebracht ... (fängt sich wieder) Ich komme schon zurecht. Die Beerdigung wühlt mich doch sehr auf ... Ich werde sicherlich nicht ... zusammenbrechen oder so, da machen Sie sich keine Sorgen, schon wegen der Kinder nicht. (Pause) Vielleicht ist es besser, wenn Sie jetzt gehen. Ich würde mich gerne noch etwas hinlegen.“

Pfarrer: „Selbstverständlich. (steht auf und gibt Gudrun die Hand) Ich bin jederzeit für Sie zu sprechen. Rufen Sie mich einfach an, wenn Sie nochmals reden möchten. Ich komme gerne, wenn ich helfen kann. Das ist schließlich ... Gut, dann ... auf Wiedersehen.“ (geht ab; einige Momente danach kommen Max und Amelie gemeinsam aus dem Kinderzimmer)

MAX: „Ist er weg?“

Gudrun (beugt sich zu den beiden hinab und umarmt sie): „Ja, er ist wieder weg.“

LICHT AUS.

Anmerkungen des Autors

Wir haben das Stück am Ende etwas abgewandelt gespielt. Ab * wird Gudrun wieder wütend und rennt schließlich verzweifelt raus, der Pfarrer geht ihr eilig hinterher und ruft noch "Frau Wendt". Damit braucht man keine Kinder für das Stück. Den Text dafür habe ich leider nicht gefunden, ich glaube, wir haben diese Änderung nicht aufgeschrieben.

Unsere Gudrun war höchst beeindruckend in ihrer Trauer und Verzweiflung – die Zuschauer bekamen eine Gänsehaut. Das Stück muss in der Predigt aufgenommen und verarbeitet werden, dann ist es aber ein toller Einstieg in ein herausforderndes Thema, das nicht mit frommen platten Antworten abgehakt werden kann.

Dummerweise weiß ich nicht mehr, ob ich das Stück ganz selbst geschrieben oder nur angepasst habe. Hier bei Drama Ministry habe ich's nicht gefunden, und da hole ich unsere Stücke normalerweise her. Sollte jemand eine Ursprungsversion finden, bitte melden.

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